Ratgeber
Finanzwissen für Selbstständige.
Die wichtigsten Fragen zu Geld, Steuern, Krediten, Versicherungen und Vorsorge — kompakt beantwortet von der Redaktion. Wo es auf den exakten Gesetzesstand ankommt, verlinken wir direkt die offizielle Quelle (Ministerien, Aufsicht, Förderbanken), damit du immer den aktuellen Stand liest. Rechts- oder Steuerberatung ersetzt diese Seite nicht.
Zuletzt aktualisiert:
Geschäftskonto & Zahlungsverkehr
Brauche ich als Selbstständiger ein eigenes Geschäftskonto?
Gesetzlich vorgeschrieben ist es nur für Kapitalgesellschaften (GmbH, UG). Praktisch führt aber kaum ein Weg daran vorbei: Viele Banken untersagen in ihren AGB die gewerbliche Nutzung des Privatkontos, und die saubere Trennung von privaten und geschäftlichen Zahlungen erleichtert Buchhaltung und Betriebsprüfung erheblich. Welche Anbieter sich lohnen, zeigt unser Geschäftskonto-Vergleich.
Was kostet ein Geschäftskonto?
Die Spanne reicht von 0 € (Basistarife von Fintechs, oft mit begrenzten Buchungen) bis über 30 €/Monat bei Filialbanken. Entscheidend sind neben der Grundgebühr die Kosten pro Buchung, für Bargeld und für Unterkonten. Für Gründer rechnet sich meist ein kostenloses Geschäftskonto zum Start.
Ist mein Guthaben auf dem Geschäftskonto abgesichert?
Guthaben bei Banken mit deutscher oder EU-Lizenz sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Kunde und Bank geschützt. Bei Fintechs lohnt der Blick, welche Partnerbank dahintersteht und wo diese lizenziert ist — Aufsichtsbehörde in Deutschland ist die BaFin.
Wie kann ich als kleiner Betrieb Kartenzahlung annehmen?
Mobile Kartenlesegeräte (z. B. SumUp, myPOS, Zettle) funktionieren ohne Grundgebühr und ohne Vertragsbindung — bezahlt wird pro Transaktion (typisch unter 2 %). Für Gastronomie und Handel vergleichen wir die Anbieter im Kartenzahlungs-Vergleich.
Steuern & Buchhaltung
Welche Steuern zahlen Selbstständige?
Grundsätzlich Einkommensteuer auf den Gewinn und in der Regel Umsatzsteuer auf die Umsätze. Gewerbetreibende zahlen zusätzlich Gewerbesteuer (mit Freibetrag für Einzelunternehmer und Personengesellschaften); Freiberufler sind davon befreit. Die Abgabe läuft elektronisch über ELSTER; verbindliche Informationen veröffentlicht das Bundesfinanzministerium.
Was ist die Kleinunternehmerregelung?
Wer mit seinen Umsätzen unter den gesetzlichen Grenzen bleibt, kann sich nach § 19 UStG von der Umsatzsteuer befreien lassen: keine Umsatzsteuer auf Rechnungen, dafür kein Vorsteuerabzug. Die Umsatzgrenzen wurden zuletzt mehrfach angepasst — den aktuellen Gesetzesstand findest du bei gesetze-im-internet.de.
EÜR oder Bilanz — was gilt für mich?
Freiberufler dürfen immer die einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) nutzen. Gewerbetreibende müssen erst oberhalb bestimmter Gewinn-/Umsatzgrenzen zur doppelten Buchführung mit Bilanz wechseln; Kapitalgesellschaften bilanzieren immer. Im Zweifel entscheidet das Finanzamt per Mitteilung.
Wie funktioniert die Umsatzsteuervoranmeldung?
Umsatzsteuerpflichtige melden die vereinnahmte Umsatzsteuer abzüglich Vorsteuer elektronisch über ELSTER an — je nach Zahllast monatlich, vierteljährlich oder jährlich. Die Fristen und Schwellenwerte legt das Umsatzsteuergesetz fest; Buchhaltungssoftware oder ein Steuerberater nehmen dir die Meldung ab.
Wie lange muss ich Belege aufbewahren?
Für Buchungsbelege, Rechnungen und Geschäftsunterlagen gelten gesetzliche Aufbewahrungsfristen von mehreren Jahren (je nach Dokumentart unterschiedlich). Digitale Archivierung ist zulässig, muss aber den GoBD-Grundsätzen genügen (unveränderbar, nachvollziehbar, maschinell auswertbar).
Kredite & Finanzierung
Bekomme ich als Selbstständiger einen Kredit?
Ja, aber Banken prüfen strenger als bei Angestellten: üblich sind zwei bis drei Steuerbescheide, aktuelle BWA oder EÜR und Kontoauszüge. Je länger die Selbstständigkeit besteht und je stabiler die Zahlen, desto besser die Konditionen. Worauf es ankommt, zeigt unser Ratgeber Kredit für Selbstständige.
Was sind Förderkredite und wer vergibt sie?
Staatliche Förderbanken vergeben zinsgünstige Kredite für Gründung, Wachstum und Investitionen — zentral ist die KfW (z. B. Gründerkredite), dazu kommen die Förderbanken der Bundesländer. Beantragt wird meist über die Hausbank, nicht direkt bei der Förderbank.
Schadet ein Kreditvergleich meiner Schufa?
Nein, wenn er richtig gemacht wird: Eine „Konditionsanfrage" ist Schufa-neutral und liefert trotzdem verbindliche Zinsangebote. Nur eine echte „Kreditanfrage" kann den Score kurzfristig beeinflussen. Seriöse Vergleichsrechner nutzen automatisch die Konditionsanfrage.
Kontokorrentkredit oder Ratenkredit — was passt wann?
Der Kontokorrentrahmen auf dem Geschäftskonto ist für kurzfristige Liquiditätslücken gedacht — flexibel, aber teuer. Planbare Anschaffungen finanzierst du günstiger über einen Ratenkredit mit festem Zins und fester Laufzeit. Faustregel: Dispo nur für Wochen, nicht für Monate.
Versicherungen
Welche Versicherungen sind für Selbstständige Pflicht?
Pflicht für alle ist die Krankenversicherung (gesetzlich oder privat). Je nach Beruf kommen Pflichtversicherungen dazu — etwa die Berufshaftpflicht für Ärzte, Anwälte, Steuerberater oder Architekten und die gesetzliche Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft für viele Gewerke. Alles Weitere ist freiwillig, aber teils dringend ratsam.
Gesetzlich oder privat krankenversichern?
Selbstständige können frei wählen. Die GKV rechnet Beiträge nach dem Einkommen ab, die PKV nach Alter, Gesundheit und Tarif — anfangs oft günstiger, im Alter tendenziell teurer, ein Rückweg in die GKV ist nur eingeschränkt möglich. Die Abwägung im Detail: Krankenversicherung für Selbstständige.
Wie wichtig ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Für Selbstständige besonders wichtig, weil kein Arbeitgeber und kaum ein gesetzliches Netz einspringt, wenn die Arbeitskraft ausfällt. Je früher der Abschluss, desto günstiger der Beitrag. Mehr dazu im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung.
Was deckt eine Betriebshaftpflicht ab?
Personen-, Sach- und daraus folgende Vermögensschäden, die du oder deine Mitarbeiter Dritten zufügen — vom umgestoßenen Kundenlaptop bis zum Wasserschaden beim Auftraggeber. Für viele Auftraggeber ist sie Voraussetzung für die Zusammenarbeit. Überblick: Firmenversicherungen.
Lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung für Selbstständige?
Ein Firmen-Rechtsschutz übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten bei Streitigkeiten mit Kunden, Lieferanten, Mietern oder Mitarbeitern. Wichtig: Wartezeiten beachten und prüfen, welche Bausteine (Vertrags-, Arbeits-, Steuer-Rechtsschutz) enthalten sind. Details: Rechtsschutz für Selbstständige.
Altersvorsorge & Absicherung
Muss ich als Selbstständiger in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?
Bestimmte Gruppen sind pflichtversichert — etwa Handwerker in zulassungspflichtigen Gewerken, Lehrer, Erzieher, Künstler und Publizisten (über die Künstlersozialkasse) sowie Selbstständige mit nur einem Auftraggeber. Alle anderen können freiwillig einzahlen. Verbindliche Auskunft gibt die Deutsche Rentenversicherung.
Wie sorge ich als Selbstständiger fürs Alter vor?
Meist als Mix: Basisrente („Rürup") mit Steuervorteil in der Ansparphase, private Vorsorge über ETF-Sparpläne oder Immobilien, gegebenenfalls freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rente. Was zu welchem Einkommen passt, sortiert unser Ratgeber Altersvorsorge für Selbstständige.
Wie viel sollte ich monatlich zurücklegen?
Als Orientierung gelten 10–20 % des Gewinns für die Altersvorsorge — zusätzlich zu einer Liquiditätsreserve von drei bis sechs Monatsausgaben für den Betrieb. Wichtiger als die perfekte Quote ist der frühe, regelmäßige Start.
Kann ich mich gegen Arbeitslosigkeit versichern?
Ja — Selbstständige können sich unter bestimmten Voraussetzungen freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichern (Antrag innerhalb von drei Monaten nach Start der Selbstständigkeit). Details und Beiträge: Bundesagentur für Arbeit.
Aktuelle Meldungen aus unabhängigen Quellen
Automatisch aktualisiert aus unabhängigen Fachquellen. Jeder Link führt zur Originalquelle.
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